Gruselig, düster, humorig, skurril und vor allem liebenswert kommen die Mitglieder der Addams Family daher.
Ursprünglich entstammen die Figuren einem Comic aus den 1930er Jahren des amerikanischen Zeichners Charles Addams, in den 60er Jahren wurde diese etwas andere Familie durch eine Fernsehserie auch außerhalb der USA bekannt und später gab es noch zwei Kinoverfilmungen.
Wie viele erfolgreiche Geschichten wurde auch die der Addams Family in einem Musical umgesetzt, das 2009 in Chicago uraufgeführt wurde.
Und von Chicago ist es im Februar 2026 auf die Schulbühne des Kippenberg-Gymnasiums gelangt, wo die insgesamt 8 Aufführungen vom Publikum mit Begeisterungsstürmen und stehenden Ovationen belohnt wurden.
Aber zurück zum Geschehen auf der Bühne (Quelle: Wikipedia):
„Wednesday Addams ist ein achtzehnjähriges Mädchen, das seine große Liebe in Lucas Beineke gefunden hat. Sie vertraut ihrem Vater beim alljährlichen Familienfest auf dem Friedhof an, dass sie Lucas heiraten möchte. Er verspricht ihr, es nicht ihrer Mutter zu beichten. Das Problem ist, dass die Beziehung der strengen Morticia und des liebevollen Gomez auch stark darauf aufgebaut ist, keine Geheimnisse voreinander zu haben. Ebenso muss Gomez sich selbst erst mit dem Gedanken anfreunden, dass seine Tochter erwachsen geworden ist und sich abnabeln will. Lucas’ Familie wird schließlich von den Addams' zum Dinner eingeladen und die Situation scheint völlig zu eskalieren, da die beiden Familien grundverschieden sind. Das Dinner mit dem anschließenden Familienspiel ("Sag die Wahrheit") deckt die Probleme gnadenlos auf, nicht nur zwischen den Familien, sondern auch untereinander.
Die Hauptbotschaft der Handlung liegt in den drei Paarbeziehungen Wednesday–Lucas, Morticia–Gomez und Mal–Alice.
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So wie sich die beiden Jungverliebten erst einmal zusammen finden müssen, und es sogar nach einem Auseinandergehen aussieht, hinterfragen ihre beiden Elternpaare ihre jeweiligen Beziehungen zunehmend. Morticia ist enttäuscht von ihrem Mann, der ihr ein Geheimnis vorenthalten hat. Alice vermisst, nachdem sie die "verrückte" Addams Family kennengelernt hat, diese Verrücktheit an ihrem eher spießigen Mann. Beide Paare stehen kurz vor der Trennung. Für Verwirrung sorgen auch Pugsley, der Granny eine geheimnisvolle Droge klaut und sie Wednesday heimlich einflößen will, da er sie als Schwester zu verlieren fürchtet, jedoch Alice erwischt; sowie Onkel Fester und die Ahnen der Familie. Am Schluss finden jedoch alle drei Paare (wieder) zusammen, auch Pugsley ist zufrieden, da Wednesday ihm verspricht, ihn weiter zu quälen, bis er eine eigene Beziehung hat, und Fester hat mittels einer selbst gebastelten Rakete seine Liebe zum Mond erfüllen können. Der bis dahin sprachlose Lurch leitet mit dem Schlusslied "Tauch hinab ins Dunkel" das gemeinsame Finale ein.“
Den Mitwirkenden an diesem Beziehungswirrwarr gelingt es meisterhaft, über mehr als zwei Stunden gelungene Unterhaltungskost abzuliefern und das sowohl schauspielerisch wie auch überwiegend gesanglich.
Der Rezensent kann sich hier ganz der Bewertung von Silja Weisser aus dem WK Stadtteilkurier vom 12. Februar anschließen:
„Artur Saake schmeißt sich als Familienoberhaupt Gomez vor allem gesanglich ins Zeug und schmettert kraftvoll seine Soli in die Aula. Für den 18-Jährigen liegt der Reiz in der Zerrissenheit der Rolle des Grusel-Vaters.Er muss seiner Frau Morticia gerecht werden, die Mafalda Rauhut wunderbar divenhaft gibt, und gleichzeitig Töchterchen Wednesday einen Wunsch erfüllen. Verkörpert von Merle Dannenberg, hat sich diese dummerweise in einen "ganz normalen" Jungen verliebt und will ihn heiraten.
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Als ihr Lucas (Henri Müller) mit Familie auf den Plan tritt, muss der Addams-Clan eine "stinknormale" Familie spielen.
Ein Stück mit hohem Schmunzelfaktor, das dennoch nicht ins Klamaukige abrutscht. Dafür sorgen allein schon die meisterhaften Einlagen der Schüler, die selbst Kippenberg Stamm-Regisseurin Nina Arena (Bremer Musical Company) immer wieder aufs Neue überraschen.
Unterstützt wird die Crew von einem kraftvollen Orchester. Allen voran glänzt Lotta Lovisa Sandkühler an der ersten Geige mit einem bemerkenswert souveränen Spiel. Lehrerin Frauke Schubert gibt für alle den Takt an und beweist bei der Musik, die geprägt ist von jazzigen Einflüssen und ikonischem Fingerschnippen, ein feines Gehör. "Für die Sänger, die hier alle ein extra Vocal-Coaching bekommen, ist es diesmal ebenfalls eine besondere Herausforderung. Es muss schräg klingen, darf aber nicht schief sein", meint Arena. Und auch wenn über zwei Stunden (mit Pause) viel gelacht werde, eine Ulknummer sei die "Addams Family" nicht. Das Thema Anderssein, sich zu respektieren und akzeptieren, wie man ist, steht ebenso im Raum wie die Frage: Was ist normal?
Für eine bemerkenswerte Kulisse des Geschehens sorgen Kunst-Leistungskurse mit einem aufwendigen Bühnenbild, das irgendwo zwischen Gruft und Friedhof einzuordnen ist, sowie etliche Ehemalige. Ob als Beleuchter, in der Technik oder auf der Bühne wie Ex-Schüler Hagen Hegeler, jetzt Physikstudent und zum vierten Mal dabei. Seine Mutter, Sylke Hegeler, kümmert sich wie in den vergangenen Jahren um die Kostüme.“
Insgesamt war es wieder einmal - nach mehreren Musicals mit inhaltlichem Tiefgang - eine gelungene fröhliche Aufführung, der hoffentlich in den kommenden Jahren noch viele tolle Inszenierungen folgen mögen.
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